4.1. Die haftungsbegründende Kausalität

Die haftungsbegründende Kausalität verlangt, dass eine ursächliche Verknüpfung zwischen dem Behandlungsfehler und dem Eintritt des ersten Schadens an Körper und Gesundheit (sog. körperliche/ gesundheitliche Primärschädigung) besteht. Dies gilt für vertragliche Ansprüche in gleicher Weise wie für Ansprüche aus unerlaubter Handlung. Dabei ist es nicht erforderlich, dass die ärztliche Pflichtverletzung die alleinige Ursache für die gesundheitliche Beeinträchtigung ist. Auch muss sie nicht die überwiegende, wesentliche, richtunggebende und unmittelbare Ursache sein. Es genügt vielmehr, wenn der Behandlungsfehler eine Mitursache in einem Bündel von verschiedenen denkbaren Ursachen darstellt. Etwas anderes gilt nur dann, wenn feststeht, dass der betreffende Ursachenbeitrag zu einem abgrenzbaren Teil des Schadens geführt hat. Man spricht dann von einer sog. Teilkausalität. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn neben dem ärztlichen Versagen ein weiterer, der Behandlungsseite nicht zurechenbarer Umstand in abgrenzbarer Weise zu einem Schaden geführt hat.

Vorschäden sind nicht entlastend. So gilt, dass jemand, der einen Kranken oder Geschwächten verletzt hat, schließlich nicht verlangen kann, so gestellt zu werden, als habe er einen Gesunden geschädigt. Das gleiche gilt, wenn der Geschädigte eine bestimmte Konstitution aufweist, die den Schadenseintritt ermöglicht oder wesentlich erhöht hat. Der Zurechnungszusammenhang erstreckt sich auch auf seelische Reaktionen des Geschädigten. Dies gilt selbst dann, wenn eine psychische Labilität des Geschädigten wesentlich mitbestimmend war. Zum Beispiel, wenn nach einem körperlichen Schaden aufgrund eines Operationsfehlers beim Patienten eine reaktive Depression auftritt.

Der Kausalzusammenhang zwischen dem Behandlungsfehler und den Primär- und Folgeschäden wird grundsätzlich nicht dadurch unterbrochen, dass ein anderer Arzt die Behandlung fortgesetzt hat. Nur wenn dem Arzt dabei Fehler unterlaufen, die völlig ungewöhnlich und unsachgemäß sind und zu dem Fehler des ersten Arztes bei wertender Betrachtungsweise nur in einem äußerlichen zufälligen Zusammenhang stehen, tritt eine Unterbrechung des Kausalzusammenhangs ein. In diesem Fall, stellt die erste Schädigungshandlung nämlich nur noch den äußeren Anlass für die Pflichtwidrigkeit des nachbehandelnden Arztes dar.

Für den Nachweis der haftungsbegründende Kausalität gilt grundsätzlich der strenge Maßstab des § 286 ZPO (sog. Strengbeweis). Das bedeutet, dass die Beweisführung zur vollen Überzeugung des Gerichts geführt haben muss. Es bedarf allerdings keiner unumstößlichen Gewissheit, sondern es reicht vielmehr ein „für das praktische Leben brauchbarer Grad“ der Gewissheit aus.

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