4.2. Darstellung anhand der relativen Risikoreduktion

Jan 14, 2010

In zahlreichen Patienteninformationsbroschüren und medizinischen Journalen wird die Darstellung in Form der relativen Risikoreduktion verwendet. Nach diesem Format würde die Risikoreduktion für das vorliegende Beispiel ganz anders lauten. Da eine Reduktion von 5 auf 1 80 % entspricht, könnte man sagen, dass die prophylaktische Mastektomie das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um etwa 80 Prozent verringert.

Obgleich die letzte Aussage sachlich ebenso richtig ist wie die beiden vorangegangenen Aussagen, verleitet das Format der relativen Risikoreduktion dennoch dazu, den Nutzen einer Intervention deutlich zu überschätzen.

Dies lässt sich durch Studien belegen. So wurde Gynäkologen, als auch Patienten der Nutzen des Mammographie-Screenings im Form der relativen Risikoreduktion von 25 Prozent vorgelegt. Anschließend wurden beide Gruppen gefragt, wie viel weniger Frauen von 1.000 an Brustkrebs versterben würden, wenn sie regelmäßig am Mammographie-Screening teilnähmen. Die Risikoreduktion von 25 Prozent bezieht sich auf die Ergebnisse von vier randomisierten Untersuchungen, die an ca. 280.000 Frauen durchgeführt wurden. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass von je 1.000 Frauen in der Screeninggruppe etwa 3 an Brustkrebs starben, während es in der Kontrollgruppe 4 von je 1.000 Frauen waren. Setzt man diese 3 Frauen in Verhältnis zu den 4 Frauen, ergibt sich eine relative Risikoreduktion von 25 Prozent. Die absolute Risikoreduktion beträgt jedoch 1 Frau von 1.000. Neuere Analysen von diesen und weiteren randomisierten Untersuchungen, welche ca. 500.000 Frauen einschließen und in einem Cochrane-Review zusammengefasst sind, schätzen die Reduktion der Brustkrebssterblichkeit durch Mammographie nur auf 1 von 2.000 Frauen. Eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit (= Brustkrebs und andere Ursachen) wurde hingegen in keinen der beiden Reviews festgestellt. Bei Angabe des Nutzens im Format der relativen Risikoreduktion schätzen weniger als 5 Prozent der befragten Patienten den Nutzen der Mammographie realistisch ein. In der Studie von Gigerenzer et al. konnten 33 Prozent der 150 befragten Gynäkologen die Frage nicht korrekt beantworten, während in der Studie von Schüssler mit 15 Gynäkologen die Antworten von 1 bis 750 Frauen von 1.000 variierten.

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