4.4. Der sog. „Framing-Effekt“

Jan 14, 2010

Je nachdem welche Darstellungsart gewählt wird, stellt sich ein Therapieeffekt größer oder kleiner dar. Während das Format der relativen Risikoreduktion Therapieeffekte größer erscheinen lässt, liefert das Format der absoluten Risikoreduktion kleinere Effektwerte, die jedoch realistischer einschätzbar sind. Die unterschiedliche Wahrnehmung des tatsächlichen Risikos in Abhängigkeit des Formats bezeichnet man als „Framing-Effekt“. Dieses Framing kann zur Folge haben, dass eine therapeutische Maßnahme durch den Patienten oder den behandelnden Arzt mehr oder weniger präferiert wird.  

So lag noch vor einigen Jahren in Praxen von Allgemeinmedizinern und Gynäkologen eine von 12 Ärzten verfasste Informationsbroschüre zur Thematik „Hormonersatztherapie und Krebs“ aus.

In den relevanten Passagen dieser Broschüre wurde zum Thema Brustkrebs geschildert, dass es weltweit etwa 60 große Forschungsstudien gebe, deren Ergebnisse nicht eindeutig seien. Eine Zusammenfassung dieser Studien zeige eine möglicherweise minimale Zunahme der Brustkrebshäufigkeit. So entwickeln normalerweise etwa 60 von 1.000 Frauen in ihrem Leben eine Brustkrebserkrankung, während nach einer 10-jährigen Hormontherapie nur etwa 6 Frauen mehr an dem Krebs erkranken. Daraus folgerte man in der Broschüre, dass das Risiko möglicherweise um 6 Promille (6 auf Tausend) an steige. Weiter heißt es, dass der relativ häufige Dickdarmkrebs durch die Hormongabe nicht nur nicht gefördert würde, sondern, dass man sogar erhebliche Schutzfunktionen, bis zu 50 Prozent, nachweisen konnte. Daraus wurde weiter der Schluss gezogen, dass Frauen unter hormoneller Therapie nur halb so häufig einen Dickdarmkrebs entwickeln, als ohne die Therapie.

Dieses Beispiel zeigt, wie die Verfasser der Broschüre durch die Verwendung absoluter Risikoangaben bei der Darstellung der Nebenwirkungen der Therapie (Entstehung von Brustkrebs) und relativer Risikoangaben bei der Darstellung des Nutzens der Therapie (Reduktion von Darmkrebs) erstere kleiner und letzteren größer erscheinen lassen.

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