4.5. Falsche Einschätzung durch „mismatched framing”

Jan 14, 2010

Wenn Nutzen und Nebenwirkungen derselben Intervention in unterschiedlichen Formaten der Risikoreduktion dargestellt werden, spricht man vom „mismatched framing.“ Dieses Vorgehen ist sehr kritisch zu betrachten. So führt dies dazu, dass eine realistische Bewertung der entsprechenden Intervention anhand der erhaltenen Informationen nur erschwert vorgenommen werden kann.

Einer Informationsbroschüre, deren Inhalt im vorherigen Beitrag erläutert wurden, lagen die Daten einer großangelegten, randomisierten Studie der Women’s Health Initative zur Erforschung des Nutzens und der Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie zugrunde.  Nach 10-jähriger Studienlaufzeit brachten die Untersuchungen folgende Resultate: Während des 10-jährigen Beobachtungszeitraum in der „Therapie-Gruppe“ auf 1.000 Frauen gerechnet 5 an Darmkrebs und 66 an Brustkrebs verstarben, starben in der „Nicht-Therapie-Gruppe“ 10 an Darmkrebs und 60 an Brustkrebs. Wenn die Verfasser der Broschüre sowohl die Nebenwirkungen als auch den Nutzen der Therapie in Form einer absoluten Risikoreduktion angegeben hätten, könnten Patientinnen sehen, dass einer Verringerung von 5 in 1.000 Todesfällen durch Darmkrebs eine Erhöhung von 6 in 1.000 Todesfällen durch Brustkrebs gegenüber steht.

Stattdessen haben die Verfasser der Broschüre jedoch durch die Verwendung absoluter Risikoangaben bei der Darstellung der Nebenwirkungen der Therapie (Entstehung von Brustkrebs) und die Verwendung relativer Risikoangaben bei der Darstellung des Nutzens der Therapie (Reduktion von Darmkrebs) die Nebenwirkungen viel kleiner und den Nutzen größer erscheinen lassen. Zusätzlich sei noch erwähnt, dass in der Broschüre die Nebenwirkungen der Therapie als „möglicherweise“, während der Nutzen als „gesichert“ bezeichnet wird.

In diesem konkreten Fall zeigt sich das „mismatched framing“ als besonders bedenklich. So wurde die diesbezüglich in die Wege geleitete Studie im Juli 2002 aus ethischen Gründen abgebrochen wurde, da der Schaden der Hormonersatztherapie höher als deren Nutzen eingeschätzt wurde.

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