Behandlungsfehler: Nichterhebung diagnostischer Kontrollbefunde

4. Nichterhebung diagnostischer Kontrollbefunde

Die unterlassene Erhebung von Kontrollbefunden bzw. die unterlassene Durchführung weiterer gebotener diagnostischer Maßnahmen ist von den Diagnosefehlern streng zu unterscheiden. In diesem Bereich besteht nicht die von der Rechtsprechung angelegte Zurückhaltung bei der Bewertung von Fehldiagnosen als Behandlungsfehler.
Der Arzt ist verpflichtet, eine von ihm zunächst gestellte Verdachtsdiagnose selbstkritisch zu überprüfen, gerade weil die bei einem Patienten aufgetretenen Symptome in der Regel mehrere Ursachen haben können. Die Durchführung weiterer differenzialdiagnostischer Maßnahmen sind angesichts bestehender Beschwerden oder angesichts eines nach wie vor unklaren Krankheitsbildes erforderlich auch wenn die Diagnosestellung zunächst ausreichend war. Dazu gehören etwa palpatorische Untersuchungen, mikroskopische Untersuchungen, Kernspintomographie, Laboruntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Sonographie. Je weniger invasiv eine Untersuchung ist (z.B. Laboruntersuchung), umso eher ist sie durchzuführen. Je belastender, schmerzhafter und/oder riskanter die diagnostische Maßnahme ist, desto größer müssen die Gefahren sein, die dem Patienten aufgrund des abzuklärenden Krankheitsbildes drohen könnten und desto mehr Vorsicht ist geboten. Am jeweiligen Krankheitsbild orientiert sich der Umfang der Diagnostik.

Der ärztliche Standard ist auch hier maßgeblich. Beispiel: Nach einem Muskelfaserriss in der Wade treten Schwellungen auf. Differentialdiagnostisch muss eine Venenthrombose in Betracht gezogen werden und der Arzt muss eine Phlebographie veranlassen. Über einen geraumen Zeitraum bessert sich die von dem Patienten beklagte Heiserkeit nicht. Differentialdiagnostisch muss der Arzt jetzt die Möglichkeit eines Kehlkopfkarzinoms in Betracht ziehen. Der Arzt haftet für die Verzögerung der Heilung eines Patienten, wenn er die gebotenen Untersuchungen zunächst unterlassen hat und deshalb erst zeitlich später zu der richtigen Diagnose gelangt. Nicht nur die Unterlassung angezeigter diagnostischer Maßnahmen, sondern auch die Vornahme nicht gebotener Untersuchungen. kann dabei einen Behandlungsfehler darstellen.
Die so genannte „Überdiagnostik” führt ebenfalls zu einer Haftung des Arztes. Wenn es an objektiven Anhaltspunkten für die mit der betreffenden Maßnahme auszuschließende Krankheit fehlt oder die mit der diagnostischen Maßnahme verbundenen Risiken und Belastungen außer Verhältnis zu den Gefahren der potentiellen Erkrankung stehen liegt eine solche Überdiagnostik vor. Es muss sich aus Erkenntnissen einer diagnostischen Untersuchung stets ein therapeutischer Nutzen ergeben, sie dienen nie dem Selbstzweck. Wenn zwar unklar ist, welche von zwei verschiedenen Krankheiten bei dem Patienten vorliegt, die anzuwendende Therapie allerdings unabhängig von der pathologischen Ursache in beiden Fällen identisch ist liegt eine behandlungsfehlerhafte Überdiagnostik vor. Wenn es für die aufgrund der Diagnosemaßnahme festzustellende Erkrankung überhaupt keine Therapie gibt liegt, ebenfalls eine Überdiagnostik auch dann vor.

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