Beweiserleichterung im Arzthaftungsrecht – Das Organisationsverschulden im Allgemeinen

Jan 19, 2010

Möglichkeiten des Organisationsverschuldens sind z.B:

1.   Verletzungen des Hygienestandards, welche zu einer Wundinfektion des Patienten führen. (Infektionsschutz)

> Zu beachten ist, dass eine Wundinfektion eine typische Komplikation ist, die oft auch bei Anwendung größter Sorgfalt, und auch unter Beachtung aller Anforderungen, nicht mit Sicherheit vermeidbar ist.

2.   Behandlungsmaßnahmen durch einen in Ausbildung stehenden Arzt, die zu einem Schaden führen, welcher bei Behandlung durch einen Facharzt nicht entstanden wäre. (Anfängeroperation)

> Zu beachten ist, dass es oft sehr schwer feststellbar ist, ob Behandlungsfehler gerade darauf zurückzuführen sind, dass ein Anfänger die Operation durchgeführt hat, oder ob dieser auch eingetreten wäre, wenn ein Facharzt operiert hätte.

3.   Risiken des Krankenhausbetriebs, die von dem Krankenhausträger und dem dort tätigen Personal voll beherrscht werden können. (voll beherrschbares Risiko)

Eine Beweislast der Arztseite wird bei folgenden Beispielen aus der Rechtsprechung angenommen:

  • Zurückbleiben eines Tupfers im Operationsgebiet
  • Funktionstüchtigkeit eines eingesetzten Narkosegerätes
  • Eine unbemerkt gebliebene Entkopplung einer Infusion
  • Sterilität des benutzten Desinfektionsmittels
  • Verletzungen eines auf einer Liege befindlichen Patienten beim Einschieben in einen Krankenwagen
  • Unterlassene Sicherungsmaßnahmen am Bett einer verwirrten Patientin
  • Richtige Lagerung des Patienten auf dem Operationstisch

Weitere Urteile und Erfolge

Zahnarzthonorar höher als im Heil- und Kostenplan angegeben

Der Zahnarzt ist verpflichtet, das zahnärztliche Honorar so genau wie möglich im Vorhinein aufzuschlüsseln. Eine Erhöhung des im Heil- und Kostenplan vorgeschlagenen Honorars ist nur dann gerechtfertigt, wenn nicht vorhersehbare Umstände zu einer Erhöhung des...

Karpaltunnelsyndroms – eine fehlerhafte Behandlung

Das Karpaltunnelsyndrom, eine Kompressionssyndrom des Nervus mediarus im Bereich der Handwurzel. Diese Krankheit ist in Deutschland weit verbreitete, insbesondere sind Frauen betroffen. Die konservative Behandlung eines Karpaltunnelsystems ist zunächst durch das...

6.800 € Schadensausgleich nach Skiunfall

Unser Mandant erlitt einen Skiunfall in Österreich. Der Unfall ereignete sich ohne Verschulden seitens unseres Mandanten. Er erlitt einen Knochenbruch und musste sich mehrere Wochen in ärztliche Behandlung begeben. Wir nahmen daraufhin die Verhandlungen mit der...

PIP- Prozess geht in die nächste Runde

Nachdem das LG Karlsruhe im Fall unserer Mandantin mit Urteil vom 25.11.2014 die Klage gegen den behandelnden Arzt, den TÜV Rheinland und die Allianz France vollumfänglich abgewiesen hatte, wurde hiergegen nunmehr Berufung zum OLG Karlsruhe eingelegt. Das Urteil des...

50.000,- Euro Schmerzensgeld für fehlerhafte Schulteroperation

Das OLG Hamm hat mit Urteil vom 01.07.2014, Aktenzeichen: 26 U 4/13, der Klägerin 50.000,- Euro Schmerzensgeld aufgrund eines groben Behandlungsfehlers mit der Folge des fast vollständigen Funktionsverlustes einer Schulter zuerkannt. Die Klägerin ließ in der Klinik...