Beweiserleichterung im Arzthaftungsrecht – Grobe Diagnosefehler

Ein grober Diagnosefehler führt, wie der grobe Behandlungsfehler, zu einer Beweislastumkehr zum Vorteil des Patienten im Hinblick auf den zu erbringenden Kausalitätsnachweis.

> Ein grober Diagnosefehler ist im höchsten Bereich des groben Behandlungsfehlers anzusiedeln.

Der Patient muss den Nachweis, für einen groben Diagnosefehler,  unter folgenden Voraussetzungen erbringen:

  • dass die gestellte, objektiv fehlerhafte Diagnose den erlittenen Schaden verursacht hat
  • dass der betreffende Primärschaden ferngeblieben wäre, wenn der Behandelnde zum gegebenen Zeitpunkt die richtige Diagnose gestellt hätte
  • ein massiver Verstoß gegen medizinische Erkenntnisse und Erfahrungen (liegt nur bei einem fundamentalen Diagnoseirrtum vor)
  • es muss eine solche Fehlinterpretation des erhobenen Befundes vorliegen, dass diese aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint
  • es muss eine Verletzung grundlegender medizinischer Erkenntnisse vorliegen, ein Fehler der einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf

Ist der grobe Diagnosefehler bewiesen, tritt die Beweislastumkehr ein, und die Behandlungsseite muss nachweisen, dass der Schaden ungleich eingetreten wäre, auch wenn der Arzt die richtige Diagnose gestellt hätte.

In diesem Bereich ist die Beweislast für die Kausalität regelmäßig entscheidend für den Ausgang des Rechtsstreits, so dass der Frage, ob ein einfacher (Patient trägt die Beweislast) oder ein grober (Arzt trägt die Beweislast) Diagnosefehler vorliegt, erhebliche Bedeutung zukommt.

Diese wird nur mit einer gewissen Zurückhaltung der Rechtsprechung beantwortet, da aufgrund der Individualität des menschlichen Organismus jeder Mensch unterschiedlich auf eine Krankheit reagiert.

Ein bei einem Patienten reales Krankheitsbild kann oft mehrdeutig, und Anschein gänzlich grundverschiedener Erkrankungen sein, oder ein und dieselbe Krankheit kann bei grundverschiedenen Menschen eine ganz andere Symptomatik bewirken.

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