Die ärztliche Aufklärungspflicht – Risikoaufklärung – Intensität und Umfang

Feb 2, 2010

Wie exakt die denkbaren Risiken in der Aufklärung erörtert werden müssen, und ob und inwieweit über weitere Folgen, die sich ihrerseits aus der Realisation eines Risikos ergeben, aufgeklärt werden muss, ist bislang noch in der Schwebe.

Generell ist zu sagen, dass für die Intensität und den Umfang der Aufklärung folgende Punkte entscheidend sind:

1. die charakteristische Einheit des Risikos mit dem Eingriff,
2. die Nichterkennbarkeit des Risikos für einen Laien/Patienten,
3. die Schwere des Risikos bei Eintritt dessen,
4. die medizinische Dringlichkeit des Eingriffs,
5. die Häufigkeit des Komplikationseintritts und
6. die Möglichkeit des Fehlschlages.

> Es gilt, dass umso mehr aufzuklären ist, je gravierender der Eintritt des Risikos für den Patienten wäre, und erst recht dann, wenn der Eintritt des Risikos für den Patienten als Laie völlig überraschend wäre!

> Gerade die Möglichkeit, dass ein mit Risiken behafteter Eingriff nicht den ersehnten Erfolg bringt, ist ein Faktor, der für die Entscheidungsfindung des Patienten von ausschlaggebender Bedeutung ist.

Die hinreichende Aufklärung liegt vor, wenn der Patient eine „ungefähre Vorstellung“ von der Höhe des Risikos hat.

Um eine Vorstellung von der Schwere des Eingriffs zu haben, ist es nicht erforderlich, dem Patienten genaue Prozentzahlen über die Möglichkeit des Eintritts des Risikos zu geben.

Der Arzt darf auch unbestimmte Ausdrucke wie „selten“ oder „gelegentlich“ benutzen, um die Höhe des Risikos zu beschreiben.

Es liegt aber eine Aufklärungspflichtverletzung vor, wenn der Arzt ein relativ vielfach auftretendes Risiko verharmlost, und dadurch missverständliche Vorstellungen über das Ausmaß der Gefahr auslöst.

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