Umfassende ärztliche Befunderhebungspflichten

Apr 19, 2012

Ein Arzt muss eine vom Patienten selbst gestellte Diagnose  in jedem Fall kritisch hinterfragen, auch wenn der Patient über eine gewisse medizinische Sachkunde verfügt. So entschied ganz aktuell das OLG Koblenz in seinem Urteil vom 30.01.2012 (Az.: 5 U 857/11).

 Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde:

 Der Patient war von Beruf Rettungssanitäter und begab sich aufgrund von starken Schmerzen in die Behandlung des Beklagten, einem Orthopäden. Der Patient gab an, dass Ursache der Schmerzen wohl ein eingeklemmter Nerv im Bereich der HWS sei. Die Diagnose sei internistisch bestätigt worden. Der Beklagten ging aufgrund dessen von einer Wirbelblockade aus. Nur wenige Stunden später verstarb der Patient aufgrund des Verschlusses einer Herzkranzarterie.

 Sowohl das Erstgericht, als auch das mit Berufung des Beklagten angerufene OLG Koblenz sahen den behandelnden Arzt in der Haftung. Das Unterlassen einer weitergehenden Befunderhebung beim Vorliegen von Symptomen eines Herzinfarktes sei als grober Behandlungsfehler zu werten. Insbesondere sei es diesbzgl. irrelevant, in welchem Fachgebiet der behandelnde Arzt tätig sei. Er müsse stets alles medizinisch Erforderliche unternehmen, um die richtige Diagnose zu stellen. Auf eine laienhaft gestellte Diagnose dürfe der Arzt sich nicht verlassen, sondern müsse diese kritisch hinterfragen.

Weitere Urteile und Erfolge

Zahnarzthonorar höher als im Heil- und Kostenplan angegeben

Der Zahnarzt ist verpflichtet, das zahnärztliche Honorar so genau wie möglich im Vorhinein aufzuschlüsseln. Eine Erhöhung des im Heil- und Kostenplan vorgeschlagenen Honorars ist nur dann gerechtfertigt, wenn nicht vorhersehbare Umstände zu einer Erhöhung des...

Karpaltunnelsyndroms – eine fehlerhafte Behandlung

Das Karpaltunnelsyndrom, eine Kompressionssyndrom des Nervus mediarus im Bereich der Handwurzel. Diese Krankheit ist in Deutschland weit verbreitete, insbesondere sind Frauen betroffen. Die konservative Behandlung eines Karpaltunnelsystems ist zunächst durch das...

6.800 € Schadensausgleich nach Skiunfall

Unser Mandant erlitt einen Skiunfall in Österreich. Der Unfall ereignete sich ohne Verschulden seitens unseres Mandanten. Er erlitt einen Knochenbruch und musste sich mehrere Wochen in ärztliche Behandlung begeben. Wir nahmen daraufhin die Verhandlungen mit der...

PIP- Prozess geht in die nächste Runde

Nachdem das LG Karlsruhe im Fall unserer Mandantin mit Urteil vom 25.11.2014 die Klage gegen den behandelnden Arzt, den TÜV Rheinland und die Allianz France vollumfänglich abgewiesen hatte, wurde hiergegen nunmehr Berufung zum OLG Karlsruhe eingelegt. Das Urteil des...

50.000,- Euro Schmerzensgeld für fehlerhafte Schulteroperation

Das OLG Hamm hat mit Urteil vom 01.07.2014, Aktenzeichen: 26 U 4/13, der Klägerin 50.000,- Euro Schmerzensgeld aufgrund eines groben Behandlungsfehlers mit der Folge des fast vollständigen Funktionsverlustes einer Schulter zuerkannt. Die Klägerin ließ in der Klinik...