Diagnosefehler als grober Behandlungsfehler

Sep 26, 2012

Einem Arzt, welcher fehlerhaft die falsche Diagnose stellt, kann dieser Behandlungsfehler aus rechtlichen Gesichtspunkten oft nicht vorgeworfen werden. Denn die Beschwerden des Patienten weisen nicht immer eindeutig auf die bestehende Krankheit hin, sondern können auf verschiedene Krankheiten hinweisen. Daher können die Diagnosefehler oft nur schwer als Behandlungsfehler bewertet werden.

Jedoch kann auch ein Diagnosefehler als grober Behandlungsfehler bewertet werden, wenn dem Arzt ein fundamentaler Diagnoseirrtum unterlaufen ist. Ein solcher Fehler liegt vor, wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstößt und einen Fehler begeht, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt des entsprechenden Fachs schlechterdings nicht unterlaufen darf.

Dies ist unter anderem der Fall, wenn ein auf dem Röntgenbild eindeutig erkennbarer Bruch von den Ärzten übersehen wird oder wenn sich aus einer CT-Aufnahme eindeutig ein Befund für das Vorliegen eines Lungenkarzinoms ergibt, dieses jedoch ausgeschlossen wird. Ferner ist es auch grob fehlerhaft, bei einem schmerzhaft geschwollenen Hoden die Möglichkeit der Hodentorsion auszuschließen.

Bei Vorliegen eines groben Behandlungsfehlers können Beweiserleichterungen zugunsten des Patienten vorliegen.

Weitere Urteile und Erfolge

Zahnarzthonorar höher als im Heil- und Kostenplan angegeben

Der Zahnarzt ist verpflichtet, das zahnärztliche Honorar so genau wie möglich im Vorhinein aufzuschlüsseln. Eine Erhöhung des im Heil- und Kostenplan vorgeschlagenen Honorars ist nur dann gerechtfertigt, wenn nicht vorhersehbare Umstände zu einer Erhöhung des...

Karpaltunnelsyndroms – eine fehlerhafte Behandlung

Das Karpaltunnelsyndrom, eine Kompressionssyndrom des Nervus mediarus im Bereich der Handwurzel. Diese Krankheit ist in Deutschland weit verbreitete, insbesondere sind Frauen betroffen. Die konservative Behandlung eines Karpaltunnelsystems ist zunächst durch das...

6.800 € Schadensausgleich nach Skiunfall

Unser Mandant erlitt einen Skiunfall in Österreich. Der Unfall ereignete sich ohne Verschulden seitens unseres Mandanten. Er erlitt einen Knochenbruch und musste sich mehrere Wochen in ärztliche Behandlung begeben. Wir nahmen daraufhin die Verhandlungen mit der...

50.000,- Euro Schmerzensgeld für fehlerhafte Schulteroperation

Das OLG Hamm hat mit Urteil vom 01.07.2014, Aktenzeichen: 26 U 4/13, der Klägerin 50.000,- Euro Schmerzensgeld aufgrund eines groben Behandlungsfehlers mit der Folge des fast vollständigen Funktionsverlustes einer Schulter zuerkannt. Die Klägerin ließ in der Klinik...